[Interview] Doreen Gehrke über ihren eigenen Verlag

10:49 Tinten Hexe 0 Kommentare



Immer wieder trete ich aus diversen Gründen mit Autoren und Autorinnen in Kontakt. Doreen Gehrke kenne ich von ihrer Reihe "Don't let it get to you". Hier könnt ihr die Rezension zum ersten Band lesen. Wenige Wochen später schon durfte ich Band zwei ebenfalls lesen. Hier ist die Rezension dazu. Während dieser ganzen Zeit habe ich öfters mit Doreen Gehrke gemailt und durfte ihr einige interessante Fragen stellen. Für mich, die ich selber schreibe und von einer Veröffentlichung träume, waren die Antworten sehr lehrreich und interessant. Ich hoffe, euch ergeht es ebenso! Findet ihr übrigens dieses Portrait der Autorin nicht ebenfalls sehr gelungen?


Wie sind Sie dazu gekommen, zu schreiben? In welchem Alter haben Sie damit angefangen?
Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wann ich angefangen habe zu schreiben. Darum bin ich mir auch ziemlich sicher, dass es schon sehr lange her sein muss. Ich erinnere mich aber noch, Geschriebenes, ob nun Gedichte oder lose Gedanken, immer vor meiner Familie versteckt zu haben. Wahrscheinlich befürchtete ich, ausgelacht zu werden, oder wenn nicht das, dann aber nach dem Warum meines Schreibens gefragt zu werden. Und ich glaube, davor hatte ich noch mehr Angst, weil ich keine Antwort darauf hatte. Bis heute nicht. Ich schreibe ganz einfach des Schreibens wegen. Im letzten Schuljahr war ich im Rahmen einer Projektgruppe „Kreatives Schreiben“ dann erstmals bereit, eigens verfasste Gedichte und Kurzgeschichten vorzustellen. Aber selbst in dieser kleinen Gruppe von vielleicht nur einer Handvoll Schülern, gab es dann und wann mal ein Lachen oder ein „Häh, was soll denn der Quatsch bedeuten?“ zu hören. Das war natürlich nicht sehr motivierend, und das Schreiben wurde dann ein wieder gut behütetes Geheimnis.

Wann kam Ihnen zum ersten Mal der Gedanke, ein Buch tatsächlich zu veröffentlichen? 
Während des Studiums der Geologie und Paläontologie kam ich nie wirklich zum Schreiben und dachte schon, dass das Schreiben ein Hobby oder Zeitvertreib aus Langeweile eines typischen Außenseiters zur Schulzeit gewesen war. Aber dann, nach dem Studium und mit Eintritt ins Berufsleben, kam mir ziemlich schnell der Gedanke, dass es bis zum Rentenalter doch noch etwas anderes als nur Arbeit geben muss. Ich nahm das Schreiben wieder auf. Diesen Gedanken dann weiter gesponnen, fragte ich mich dann auch ziemlich schnell, warum nicht mal etwas veröffentlichen, auch gleich mit Blick auf eine berufliche Veränderung.

Wie lange arbeiten Sie im Durchschnitt an Ihren Büchern? 
Bens Geschichte habe ich geschrieben, bevor ich meinen Verlag gründete. Das war im Jahr 2012 mit einigen Unterbrechungen, aber zusammen etwa ein Jahr. Mit Gründung des Verlages habe ich mit dem dritten Band bzw. mit dem Beginn über Janes Geschichte zu erzählen, um ein paar Monate pausieren müssen. Im Grunde habe ich als Selbstverlegerin eine Doppelbelastung, das Schreiben und die Verlagsarbeit. Am Anfang war es schwierig für mich, etwas wie eine Balance zwischen beiden zu finden. Ehrlich gesagt habe ich solch eine Balance bis heute nicht gefunden und glaube mittlerweile auch nicht mehr, dass es sie gibt. Der dritte Band der Don`t let it get to you!-Reihe ist das erste Buch, das ich als Selbstverlegerin geschrieben habe und nach meiner Erfahrung kann ich für mich sagen, dass ich für die Fertigstellung eines Buches jetzt doppelt so viel Zeit brauche, als wenn ich nur Schriftstellerin wäre. Also, bis es tatsächlich veröffentlicht ist, vergeht schon ein ganzes Jahr. Und neben der Verlagsarbeit kommen ja auch noch die ganzen anderen Projekte hinzu, die man mal so beginnt, weil es einem einfach in den Fingern juckt und man seine Gedanken zu Papier bringen muss, weil man sonst nicht in den Schlaf findet. Da wird die Doppelbelastung schnell zu einer dreifachen usw..

Sind die Bücher über Ben die ersten, die Sie geschrieben haben, oder liegen bei Ihnen noch andere Manuskripte in der Schublade?
Ja, ich habe tatsächlich so einige Manuskripte in der Schublade liegen. Einige davon sind sogar älter als die Geschichte über Ben. Da aber das Schreiben und das Veröffentlichen zwei Paar verschiedene Schuhe sind, würde ich sagen, dass der erste und zweite Band der Don`t let it get to you!-Reihe meine ersten Bücher sind.

Was hat Sie dazu inspiriert, über die Probleme Jugendlicher zu schreiben? 
Man schreibt doch immer über das, was einen interessiert und/oder bewegt, einen zum Nachdenken anregt, einen einfach nicht mehr loslässt und in einem immer wieder arbeitet. Mir geht es jedenfalls so, und ich habe festgestellt, zumindest erwische ich mich jedes Mal dabei, dass ich während des Schreibens eines Manuskriptes bereits Ideen für ein anderes Manuskript bekomme. Automatisch. Im Grunde inspiriert man sich dann selbst. Als ich angefangen habe, über Ben zu schreiben, kam mir sehr schnell die Idee, über eine Jane und über einen Charly zu schreiben, und dass deshalb die Reihe aus sechs Bänden bestehen muss. Ich weiß noch, als ich mein erstes Interview bei einer Zeitung hatte und beim Erzählen über meine sechsbändige Reihe ganz erstaunt angeschaut wurde. Im Oktober veröffentliche ich den dritten Band und beim Schreiben dieses Bandes, habe ich mich oft gefragt, warum denn nach sechs Büchern Schluss sein soll. Warum? Weil ich wieder Ideen für weitere Bände bekam. Soziale Themen sind nicht ausreizbar. Das eigene Umfeld, die Medien, die Gemeinschaft inspiriert einen doch immer.

Wie recherchieren Sie um authentisch über eine Castingshow berichten zu können? 
Für die Musik-Show „Entertain Us“ aus dem Buch habe ich die Spielregeln von verschiedenen Musik-Shows vermischt. Mich streng an dem Ablauf einer bestimmten Show zu halten, wollte ich nicht und außerdem ändern sich deren Spielregeln ja auch ständig. Was Ben angeht, so habe ich da niemals an einen bestimmten Kandidaten gedacht, der tatsächlich mal an einer Show teilgenommen hat. Ich habe mich da nie beeinflussen lassen und um ehrlich zu sein, verfolge ich schon seit Jahren keine Musik-Shows mehr. Es sind einfach zu viele Informationen, die einen ermüden und nur noch zum Wegschalten animieren. Hinzu kommen Sendungen, die dann auch noch über die Musik-Shows berichten. Man kann sich ja gar nicht dagegen wehren. Ich würde auch sagen, dass ich eher wenig über „Entertain Us“ geschrieben habe und mehr über Ben, seine Gedanken und Sichtweisen und natürlich seine Familie, weil mir das wichtiger war. Insbesondere im zweiten Band rückt die Show immer weiter in den Hintergrund und Bens Dasein sowie seine Familienprobleme werden hauptsächlich diskutiert. Authentisch über eine Musik-Show zu berichten, war also nie mein Anliegen, daher habe ich auch nicht wirklich recherchiert.

Gibt es im realen Leben Vorbilder für Ihre Protagonisten? 
Nein oder niemanden, den ich persönlich kenne. Mal schnappe ich Kommentare von Familie und Freunde auf, über die ich dann längere Zeit lang nachdenke und woraus sich etwas zum Schreiben ergibt. Aber über Personen, mit denen ich verwandt oder befreundet bin, werde ich niemals schreiben. Das gilt auch für mich. Neben der Überarbeitung des dritten Bandes der Don`t let it get to you!-Reihe schreibe ich im Moment über eine Person und über deren Familienleben, die wiederum fiktiv, aber sicherlich tatsächlich existiert. Ich schreibe Gegenwartsliteratur. Ich schreibe über soziale Belange/Verhältnisse, die es in der heutigen Zeit tatsächlich gibt, aber die Personen dazu sind ausgedacht.

Warum haben Sie sich entschieden, Selbstverlegerin zu werden? 
Als die Geschichte über Ben fertig war, habe ich im Internet nach Verlagen gesucht. Bei meiner Recherche stieß ich auch auf Selbstverleger, Indie-Autoren bzw. die Möglichkeit, sein Buch ohne Verlag zu veröffentlichen. Das fand ich interessant, habe aber trotzdem erst mal zehn Verlage mit einem Exposé angeschrieben. Bis heute haben sich noch nicht alle Verlage gemeldet. Ansonsten gab es Absagen, das Thema passe nicht ins Programm, Standardfloskeln. Die erste Absage erhielt ich nach etwa fünf Monaten. Da war ich bereits Verlegerin. Es ging mir also um die Zeit. Man muss im Schnitt ein halbes Jahr auf eine Antwort warten, wenn überhaupt eine Reaktion kommt. Das war mir zu lange. Lieber nehme ich es selbst in die Hand, weiß genau, wann, was passiert, mittlerweile auch, was alles dazugehört und zu machen ist, um ein Buch zu veröffentlichen. Sicher habe ich auch Fehler gemacht und werde auch weiter Fehler machen, aber warten, bis mal jemand was macht, überlasse ich anderen.

Wie kamen Sie dazu, einen eigenen Verlag zu gründen? 
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Indie-Autoren ihre Bücher veröffentlichen können, aber ohne eigenen Verlag zeigen sich die Grenzen dann doch recht schnell. Unabhängigkeit, Eigenständigkeit bzw. so wenig wie möglich aus eigener Hand geben zu müssen, Flexibilität. Darauf kam es mir an. Mit einem eigenen Gewerbe sind diese Eigenschaften gegeben.

Wo sehen Sie sich und Ihren Verlag in 5 Jahren? 
Der Doreen Gehrke Verlag wird in fünf Jahren neben der sechsbändigen Don`t let it get to you!-Reihe, ein, zwei Romanen im Bereich „Erwachsenen-Literatur“, hoffentlich auch Bücher anderer Schriftsteller verlegt haben. Es sollte sich dann nicht mehr um einen Selbstverlag handeln.

Wie sieht der Weg von Ihren Büchern aus dem Büro bis ins Bücherregal aus? 
Meine Manuskripte werden extern lektoriert, d.h. ein freiberuflich arbeitender Lektor bzw. eine Lektorin erhält das Manuskript, um es hinsichtlich Rechtschreibung, Interpunktion, Grammatik zu überarbeiten und bezüglich Stilistik mit Anmerkungen/Tipps zu versehen. Danach lese und überarbeite ich es im Wechsel einige Male, bis es dann druckfertig zur Druckerei geht. Parallel habe ich den Aufriss, d.h. die Datei, die das Cover des Buches, den Buchrücken und die Buchrückseite mit Klappentext und Rückseitenbild darstellt, fertig und schicke diese auch an die Druckerei. Vorher mussten noch Cover-Illustration und Illustration für die Buchrückseite mit dem Illustrator bzw. der Illustratorin abgestimmt werden. Die Druckerei liefert die gedruckte Auflage dann zum Auslieferer, der die Bücher lagert und auf Bestellung an die Barsortimente und/oder direkt zu den Buchhandlungen ausliefert.

Was sagen Sie den Leuten, die Vorurteile gegenüber Selbstverlegern haben? 
Mittlerweile begegne ich Vorurteilen, wie z.B. „Ach, Sie veröffentlichen im Selbstverlag. Na, das kann ja nicht gut sein.“, mit Humor. Was bleibt mir auch anderes übrig? Hier in Mecklenburg-Vorpommern war ich bei so einigen Buchhandlungen, habe mir viele Bemerkungen, Ausreden anhören müssen und bin selten wirklichem Interesse begegnet. Vielleicht sollte ich mal ein Buch darüber schreiben?! Gute oder schlechte Bücher gibt es nicht. Es gibt verschiedene Geschmäcker. Auch ein Buch verlegt im Selbstverlag kann den Geschmack eines Lesers treffen, oder eben nicht. Aber schlecht ist ein Buch nicht.

Wie gehen Sie mit negativen Rezensionen um? 
Hier geht es um das „geschriebene Wort“, d.h. die Rezension bleibt für eine längere Zeit stehen und kann meinem Verlag schon schaden. Es geht ganz klar um die Wortwahl des Bloggers, also wird man diffamiert oder nicht. Das hat dann nichts mehr mit Meinungsfreiheit zu tun und auch Selbstverleger können sich einen Anwalt nehmen. Aber auch was die inhaltliche Widergabe der Rezension anbelangt. Ich habe mich da tatsächlich schon mal gefragt, ob der Blogger überhaupt mein Buch gelesen hat oder nicht. Bislang habe ich mich noch nicht direkt an einen Blogger gewandt, der eine negative Rezension verfasst hat, aber auf meiner Website gibt es dazu ein paar Zeilen unter dem Titel „Selbstverleger – Alles Scheiße“.

Wie stehen Sie als Autorin Buchbloggern gegenüber? Was denken Sie über sie?
Ich stehe Buchbloggern uneingeschränkt positiv gegenüber, da sie für den Schriftsteller wie auch für den Leser hilfreich sind. Der Schriftsteller kann sein Buch bewerben und der Leser erfährt, welche Bücher neu auf dem Markt sind oder welche Bücher es in bestimmten Genres außerdem gibt, die er vielleicht noch nicht gelesen hat. Grundsätzlich kann die „Buchbloggerei“ nur positiv gesehen werden, wenn es nicht den einen oder anderen Blogger geben würde, der scheinbar seine Bodenhaftung verloren und vergessen hat, welche Macht das „geschriebene Wort“ hat, schon immer zu Lebzeiten hatte und was seine Rezension zu Folge haben kann.

Ich danke Doreen Gehrke an dieser Stelle herzlich für die Zeit, die sie in meine Fragen investiert hat. Es war sehr interessant für mich und ich hoffe für all meine Leser ebenfalls!

Hier könnt ihr den Doreen Gehrke Verlag besuchen und euch selber ein Bild von der Arbeit der Autorin und Verlegerin machen.
Wenn es euch gefällt, dann dürft ihr hier gerne ein Like auf Facebook hinterlassen.

Eure Tintenhexe

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