[Interview] Aussergewöhnliche Fragen an Daisy Swan

Hallo meine lieben Leserinnen und Leser

Heute durfte ich ein wenig mit Daisy Swan plaudern. Sie schreibt spezielle, erotische Literatur, doch nicht nur darüber haben wir gesprochen. Wen dieses Interview anspricht, versorge ich wie immer am Ende des Posts mit allen nötigen Links. Daisy ist Mitte zwanzig, Studentin und lebt momentan in Wien. "17 Forever" ist in der Ich-Perspektive geschrieben und definitiv keine 0815-Story. 


Seit wann schreibst du?
Natürlich seit ich es gelernt habe ;) Spaß beiseite. Ich glaube mein erstes „Buch“ habe ich mit 10 oder 11 auf meinem Collegeblock geschrieben, damals in den Fashingsferien. Es hatte ganze 20 Seiten und war eine Liebesgeschichte mit viel Action. Das waren auf jedenfall die best verbrachten Ferien ever :)
Als ich 12 war, hat sich meine Familie den ersten Computer gekauft und da habe ich dann die eine oder andere Geschichte getippt, aber es kam nie wirklich etwas dabei raus.
Seit 2009, da war ich mit der Schule fertig, schreibe ich mit dem erklärten Ziel, es der Öffentlichkeit zu zeigen. Zuerst habe ich auf Foren meine Geschichten veröffentlicht, das ist natürlich klasse, weil man da, sobald man mal ein paar Leser hat, sofort Feedback bekommt und das Kapitel für Kapitel. Da kam es dann gar nicht zu Grübeleien oder Schreibblockaden, sondern man hat jeden Tag weitergeschrieben. Das hat mich dann dazu beflügelt, mich mal wieder an einem Roman zu versuchen, den ich unbedingt fertigschreiben wollte. Drei Jahre später war er das dann auch, aber er braucht immer noch extrem viel Überarbeitung. Zwischendrin hatte ich auch ständig neue Ideen für andere Bücher und eine dieser Ideen war Lizzys Geschichte.

Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Das kann ich gar nicht so genau sagen, es lag mir glaube ich schon immer Blut, Geschichten zu erzählen. Als ich noch nicht schreiben konnte, habe ich mir auch schon Geschichten ausgedacht und die mir abends erzählt, wenn ich nicht schlafen konnte. Ich kann mich auch noch gut daran erinnern, dass ich in jedes Freundebuch bei „Traumberuf“ Schriftstellerin geschrieben habe. Ich glaube, wenn ich nicht schreiben würde, würde ich wahnsinnig werden, weil so viele merkwürdige Gedanken in meinem Kopf herumspuken und nicht rauskönnen.
Ich denke aber, ich wäre niemals zum Schreiben gekommen, wenn ich nicht schon immer viel gelesen hätte. Meine Mutter hat mir auch immer viel vorgelesen, außerdem hatte ich tausende Hörspielkasetten. Wenn man eine Geschichte nur hört bzw. liest, statt sie zu sehen, wie in einem Film, wird die Imagination angeregt, finde ich, weil man sich ja im Kopf vorstellt, was gerade beschrieben wird. Ich kann also nur sagen: Lest euren Kindern vor, wenn ihr welche habt. Aber seid dann nicht böse, wenn sie statt Anwalt oder Arzt Schriftsteller werden und nichts verdienen...

Ist 17 Forever dein erster Roman?
Der erste, der veröffentlicht wurde, ja. Der erste, den ich geschrieben habe? Nein. In meiner Schublade liegt ein fertiges Manuskript, das überarbeitet gehört, aber mir fehlt dazu einfach die Zeit und die Muse. Im Moment muss ich mich mit anderen Ideen beschäftigen. Manche Geschichten brauchen einfach Zeit, bis sie fertig sind. Wie ein guter Wein. Andere sind dafür schneller fertig und ich glaube auch, dass man sich nicht aussuchen kann, wofür man gerade Inspiration findet. Ich jedenfalls kann das nicht. Ich habe ein paar Freundinnen, die mein erstes Manuskript gelesen haben und mich bei jeder Möglichkeit nerven, wann ich das endlich fertig mache, die dann genervt stöhnen, wenn ich sage, ich arbeite gerade an etwas anderem. Mir wäre es auch lieber, ich würde eins nach dem anderen machen können, aber dann wäre Lizzy heute noch nicht erschienen. Dann weiß ich nicht, ob ich nicht längst die Lust am Schreiben verloren hätte. Ich mag es, dass ich da die Freiheit habe, zu schreiben, was ich gerade will.

Wie hast du ihn veröffentlicht?
17 Forever ist eine Novelle und weil es kein Roman mit anständiger Länge ist, habe ich das Buch bis jetzt nur als Ebook veröffentlicht. Ich will für knappe 100 Seiten keine Bäume töten. Wenn Teil 2 rauskommt, dann werde ich einen Doppelband anbieten, der dann auch als Druckwerk erscheint. Ich habe mich für den Distributor Bookrix entschieden, weil meine Bücher dann nicht nur bei Amazon sondern auch bei vielen anderen Shops erhältlich sind, zum Beispiel Thalia, Apple und so weiter.
Das Veröffentlichen war das einfachste an der Sache. Im Vorfeld habe ich natürlich Betaleser gehabt, die mir bei der Fertigstellung des Manuskripts geholfen haben und schlussendlich hatte ich auch eine großartige Lektorin. Mein Cover konnte ich nicht selbst designen, da ich keinerlei Fähigkeiten mit Photoshop und Co habe und selbst wenn ich viel geübt hätte, wäre es niemals so gut geworden, wie das Cover das ich jetzt habe. Ich kann mich an dieser Stelle nur nochmal bei Casandra Krammer bedanken!
Natürlich musste ich auch meine Facebookseite und meinen Blog selbst aufziehen, aber das stört mich nicht im Geringsten. Trotzdem ist es eine große Arbeit, die nicht unterschätzt werden sollte. Das alles sollte jeder, der ein Buch veröffentlichen will, bedenken.
Die eigentliche Arbeit kommt aber erst nach der Veröffentlichung, denn die beste Werbung für ein Buch ist schließlich ein zweites zu schreiben. Ich habe auch keineswegs vor, mich auf meinen Lorbeeren auszuruhen,

Was hat sich seit der Veröffentlichung von deinem ersten Roman verändert?
Ich gehe das Schreiben irgendwie etwas entspannter an. Mein großes, erklärtes Ziel war ja, etwas zu veröffentlichen und das habe ich jetzt hinter mich gebracht. Jetzt kann ich sterben. Haha, Spaß beiseite, bevor ich gehe, will ich noch einige Geschichten zu Papier bringen. Bei Lizzy war ich teilweise echt verbissen, habe meine Lektorin terrorisiert und mir konnte nichts schnell genug gehen. Jetzt ist es irgendwie entspannter. Natürlich habe ich jetzt Leser, die nicht meine Freunde sind und die mich wegen dem Buch und nicht wegen sozialer Konvention fragen, wann Teil 2 rauskommt. Bevor noch weitere Fragen entstehen: Ich hoffe, Teil 2 wird diesen Winter fertig und ich kann ihn im Frühjahr/Sommer nächsten Jahres hochladen. Aber das natürlich alles mit Vorbehalt, denn es kommt ja auch der NaNoWriMo und das ist dann auch ein Buch, das bearbeitet werden muss.
Ich habe auch weniger Angst als vorher. Ich habe schon so viele positive Rückmeldungen zu 17 Forever bekommen, ich kann's gar nicht glauben. Ich hatte erwartet, ich finde vielleicht eine winzige Zielgruppe und kann mich glücklich schätzen. Jetzt habe ich 4,5Sterne im Schnitt auf Amazon und ich dachte, ich müsse alle meine Freunde mobilisieren, damit ich überhaupt Reviews bekomme, die meisten dieser Rezensionen waren allerdings unaufgefordert und von Menschen, die ich gar nicht kenne. Das pusht unheimlich. Ich hatte am Anfang Angst, dass ich nur 1*-Rezis bekomme und habe mir deswegen vorgenommen, keine Reviews zu lesen. Klar, die 1*-Rezensenten und Hater können immer noch kommen – aber ich weiß jetzt, dass es auch Leute gibt, denen mein Buch gefällt.
Ich sehe das Schreiben jetzt auch mit jedem Tag mehr als Business und nicht als zeitintensives Hobby. Ich habe immer noch andere Götter neben dem Schreiben, nämlich das Studium und meine Gesundheit. Ich bin nicht der aufopfernde Künstler, der tagelang nicht schläft und Kaffee intravenös konsumiert, bis er ins Krankenhaus kommt. Ich verfolge auf Facebook einige dieser Artgenossen, die dann stolz ein Foto von sich im Spital posten. „Schaut her, was ich nicht alles für die Kunst mache!“ - „Ich habe 5 Kilo in einer Woche verloren weil ich das Essen vor lauter Kreativität vergessen habe!“ Geht bei mir einfach nicht. Ich brauche Schlaf, um zu funktionieren, denn in meinem Job habe ich viel mit Menschen zu tun und denen möchte ich eine unausgeschlafene Daisy nicht zumuten. Außerdem habe ich so viele Ideen, dass ich noch möglichst lange leben will und da muss ich einfach auf meinen Körper achten. Und auf mein Studium, das ich auch irgendwann einmal erfolgreich abschließen möchte. Auch wenn es nicht zu glauben ist, schaffe ich es in diesem Wirrwarr aus Verpflichtungen auch noch, eine Beziehung zu führen, Freunde zu haben und zu treffen etc. Ich versuche jetzt jeden Tag fixe Zeiten fürs Schreiben einzuplanen, fixe Zeiten für Werbung (dazu gehört auch Bloggen, Social Networks, Kontakt zu anderen Bloggern etc.) und ich versuche, wenigstens einmal im Monat ordentlich Recherche zu betreiben. Bei Lizzy findet man genug Informationen in Biografien von Musikern und Groupies, Dokus, Filmen und im Internet. Aber darüber lesen reicht nicht, man muss auch ab und zu einfach mal auf ein Konzert gehen und die Atmosphäre dort erleben, um das dann überzeugend schreiben zu können. Außerdem liest Lizzy ja gerne Klassiker (also alles, was wir in der Schule lesen mussten, liest sie freiwillig), da decke ich meinen Kindle regelmäßig mit solchen Sachen ein. Im Moment lese ich Venus im Pelz. Außerdem sollte ich als Vampir- und Erotikautorin auch wissen, wo der „Feind“ steht, also lese ich auch viel in beiden Genres und bin immer auf der Suche nach Büchern, wo beides vermischt wird. Ich sehe andere Autoren aber nicht als Feinde ;) Ich lese jetzt auch einige Schreibratgeber, weil ich natürlich immer bessere Bücher schreiben will.

Wie ist deine Meinung zu alternativen Veröffentlichungsarten (Book on demand, Ebooks, Selbstverlag)?
Ich finde es super, dass wir jetzt in einer Welt leben, in der das so einfach geht. Selbstverlag gab es ja schon immer, auch Goethe und Schiller haben im Selbstverlag veröffentlicht, aber heute ist es einfacher und vor allem billiger. Book on Demand gibt es jetzt ja auch schon seit einigen Jahren, Ebook-Dienste sind relativ neu. Auf dem Selbstverlag haftet immer noch ein hartnäckiges Stigma. Klar, je einfacher es wird, desto mehr Leute veröffentlichen ihr Buch viel zu früh, mit etlichen Rechtschreibfehlern, einer unlogischen oder langweilen Geschichte und ohne ein gescheites Cover. Ganz ehrlich, ich bin froh, dass es diese Möglichkeiten noch nicht gab, als ich ein Teenager war. Ich hätte sicherlich ein schlechtes Manuskript veröffentlicht und wäre dafür verrissen worden und ich würde schon lange nicht mehr schreiben, deswegen. Wenn man ohne Verlag veröffentlichen will, muss man eben trotzdem die ganzen Arbeitsschritte durchlaufen, wie Lektorat und Covergestaltung.
Ich verstehe auch Leute, die einen Verlag wollen. Ein Verlag nimmt einem schon eine Menge Arbeit ab und man kann sich eher aufs Schreiben konzentrieren.
Ich bin aber ein ziemlicher Kontrollfreak, was das angeht, ich will alles, was mein Buch betrifft, selbst machen. Die Sachen, die ich nicht machen kann, wie Lektorat und Cover, habe ich natürlich ausgelagert und Leute dafür bezahlt, dass sie das machen. Auch um Werbung muss ich mich natürlich selbst kümmern, aber ganz ehrlich – und dafür werden mich viele hassen – müsste ich das als Verlagsautor auch. Ich kenne einige Autoren, die bei einem Verlag sind und ihre Lesungen selbst organisieren und finanzieren, ihre Facebookseite, Homepage, etc. allein und ohne Hilfe vom Verlag betreuen müssen und wenn ihr Buch überhaupt in einer Buchhandlung ausliegt, dann nicht auf den großen Tischen in der Mitte des Ladens, sondern ein oder zwei Exemplare irgendwo in einem Regal. Und dafür nehmen sie in Kauf, dass sie pro verkauftem Exemplar nur ein paar Cent bekommen. Ich versteh aber auch das, denn ein Verlag hat auch nur ein gewisses Werbebudget und kann nicht jeden Autoren gleich vermarkten. Was ich aber auch sehe, ist das viele Verlage gar keine deutschsprachigen Autoren im Programm haben, sondern lieber die Rechte von Büchern kaufen, die in den USA geschrieben und verkauft werden. Das ist natürlich ein super Weg, weil man da schon fast eine Garantie hat, dass das Buch auch bei uns gut läuft. Ist trotzdem schade für alle deutschen Autoren. Natürlich wäre es am allerbesten, bei einem großen Verlag unterzukommen, aber die Chancen stehen da eher schlecht. Die meisten großen Verlage akzeptieren oft keine eingesendeten Exposés und Manuskripte. Wahrscheinlicher ist es, bei einem kleinem Verlag unterzukommen was natürlich auch einige Vorteile hat (z.B. haben solche Verlage ein viel kleineres Programm und dein Buch wird eher ins Rampenlicht gerückt), aber diese kleinen Verlage haben eine geringe Reichweite, sie bringen ihre Bücher oft nicht in die Buchhandlung und haben auch ein verschwindend kleines Werbebudget.
Ich lese auch immer wieder diese „Erfolgsgeschichten“ bei denen Selfpublishing als der letzte Ausweg beschrieben wird: „Autorin XY wurde von keinem Verlag angenommen und nun hat sie ihr Buch auf KDP hochgeladen! Erst JETZT wurde Verlag XY auf sie aufmerksam und sie hat heute ihren Vertrag für eine Buchreihe unterschrieben.“ So kann man's natürlich auch machen, selfpublishen und dann hoffen, dass es doch noch was wird. Ist gut, Dornröschen, schlaf weiter, ich nehme in der Zeit mein Glück selbst in die Hand.
Ich habe mein Manuskript gar nicht an irgendwelche Verlage geschickt, sondern lieber gleich selbst veröffentlicht. 

Wie bist du auf Vampire gekommen?
Ich fand Vampire schon ziemlich lange cool. Ich kann mich auch noch gut an ein Buch erinnern, das meine Mutter 2 oder 3mal aus der Bibiothek ausborgen musste, weil es mir so gut gefallen hat. Das waren Helloween-Geschichten für Kinder und da wurde trotzdem schon gemordet und gesaugt, was das Zeug hielt. Ich fand die Geschichte ziemlich cool, in der ein Mann eine mysteriöse Frau trifft, die ihn dann vergiftet und als er tot ist, zum Vampir verwandelt. Ich glaube normale Kinder hätten da sicher nicht schlafen können, aber ich fand das total romantisch. Da gab es auch eine Geschichte mit einer Krankenschwester, die Vampir ist und im Krankenhaus arbeitet, weil die Diabetiker so leckeres, süßes Blut haben. Anfang der 90er kam ja auch „Interview mit einem Vampir“ als Film ins Kino und ich habe da immer den Trailer im Fernsehen gesehen und gar nicht so Recht gewusst, wie das gehen sollte, dass ein Journalist eine Figur aus einem Buch interviewt. Ich war einfach noch zu klein, um zu verstehen, dass auch der Journalist nur eine Erfindung ist.
Filme wie Underworld kamen ja raus, als ich noch ein bisschen zu jung war dafür und es war dann unheimlich spannend trotz der Altersfreigabe ins Kino zu gehen (ich wurde im Kino nie kontrolliert). Ich dachte auch, dass ich vielleicht mal was über Vampire schreibe. Aber irgendwie waren Vampire ja ziemlich uncool in den 90ern und 2000ern. Den Twilight Hype habe ich gar nicht richtig mitbekommen, bis dann ein Freund (ja, männlich und hetero) aus den USA zurückkam und mir die Bücher gab. Ich muss ganz ehrlich sagen, mein Fall waren die Bücher nicht, aber als Autorin lästert man nicht über andere Autoren, vor allem nicht, wenn sie so super-erfolgreich sind wie Meyer.
Seit ich Urban Fantasy lese (das fällt lustigerweise auch auf 2009), habe ich Vampire in allen möglichen Facetten gesehen und wusste dann auch, dass sie ziemlich cool sein können. Man muss aber dazu sagen, dass Lizzy aus mehreren Geschichten zusammengewerkelt wurde, die ich alle nur als Nebenprojekte laufen hatte. Und in 3 davon war die Hauptperson ein Mensch und da war auch sonst nichts paranormales dran. Aber mir ist dann schnell aufgefallen, dass ich mich wirklich nur in Genres wohlfühle, in denen es übernatürlich zugeht. So sind die Geschichten zusammengeschmolzen und Lizzy wurde ein Vampir und ich bin echt froh über die Entscheidung. Die endgültige Entscheidung, diese Geschichten zusammenzufassen, geschah übrigens 2011 als ich alle „My Blood Approves“-Teile von Amanda Hocking gelesen habe. Da dachte ich, ja, das mit den Vampiren könnte klappen. Und da habe ich mich dann auch entschieden, selbst zu publizieren.

Wieviel von dir steckt in der Protagonistin von 17 Forever?
Oh, das ist eine böse Frage, denn Lizzy ist ja ein ziemlich versautes Mädchen ;) Irgendwie liegt bei einem Ich-Erzähler immer die Vermutung nahe, dass der Autor über sich selbst schreibt. Sogar Autorenkollegen glauben das und schreiben deswegen immer in der 3. Person. Das stimmt natürlich nicht immer, jedenfalls kann ich mit ruhigem Gewissen sagen, dass Lizzy und ich uns sehr wohl unterscheiden. Ich könnte allerdings auch keine Geschichte aus der Sicht einer Person schreiben, die mir komplett unähnlich ist. Aber normalerweise manifestiert sich ein Charakter durch eine Stimme im Kopf und das ist meistens eine sehr deutliche Stimme, die anders klingt als meine eigenen Gedanken. Ich bin jemand der Emotionen liebt und deswegen lass ich meine Charaktere Gefühle durchlaufen, die mir zum Beispiel komplett fremd sind, weil ich anders gestrickt bin oder nie Vergleichbares erlebt habe. Lizzy ist zum Beispiel jemand, die eher weniger eifersüchtig ist. Ab einem gewissen Grad wird sie zwar schon eifersüchtig, aber sie ist ziemlich gelassen bei manchen Dingen, bei denen ich  komplett ausrasten wurde.
Wir haben auf jeden Fall einige Gemeinsamkeiten, unsere Liebe zur Musik und anspruchsvoller Literatur, das Bloggen und die Möglichkeit, sich richtig, richtig arg für etwas zu begeistern. Irgendwie sind wir beide auf unsere eigene Art „nerdig“, weil wir uns gerne ein Thema suchen, für das wir dann schwärmen und das einen Großteil unserer Freizeit einnimmt. Bei Lizzy sind das definitiv Musiker, bei mir eher Serien, Filme und Bücher. Und Geschichte.
Lizzy ist mit Absicht mit ihren Interessen etwas von der Norm abweichend. Sie ist weder supertoll, wunderhübsch, das beliebte Cheerleader in der Schule, nein, sie ist in der Schule eher unbeliebt, hat keinen Traumkörper und hört nicht Radio. Sie ist aber auch kein Mauerblümchen, denn trotz allem ist sie ein hübsches Mädchen (und weiß das auch), kleidet sich aber anders als die anderen, ist nicht schüchtern und hat gerne Sex. Das war nämlich auch etwas, was mich am Erotikgenre gestört hat. Entweder die Heldin ist wunderschön und toll, eine knallharte Businessfrau, die aber ihre Wochenenden ans Bett gefesselt und erniedrigt verbringt, oder sie ist ein totales Mauerblümchen von dem keiner denkt, dass sie sich Freitag Abends in eine Domina verwandelt. Gähn! Ich wollte einfach eine Heldin haben, die keinem Stereotyp entspricht.

Wer durfte als erstes dein fertiges Manuskript lesen?
S. ist meine treue Erstleserin und sie bekommt das Manuskript immer als erstes, manchmal sogar, bevor es fertig ist. Sie ist sehr kritisch, aber auch sehr begeistert. Sie liest, glaube ich um die 100 Bücher im Jahr. Einmal kam sie mich besuchen (sie lebt in Deutschland) und das erste, was sie sagte, war, „Ich muss in eine Buchhandlung!“, weil sie auf der mehrstündigen Fahrt einen 800-Seiten-Schmöker verschlungen hat und nun nichts mehr für Rückfahrt hatte. Ich kann das einerseits verstehen, weil ich selbst so gerne lese, andererseits muss ich auch den Kopf schütteln, weil ich ein sehr langsamer Leser bin. Die Leute, die einen Teil von Harry Potter innerhalb von ein paar Stunden auslesen, waren mir schon immer suspekt. Selbst wenn ich ein Buch nicht weglegen kann, brauch ich meistens ein paar Tage dafür, denn ich muss ja auch irgendwann arbeiten oder schlafen. Außerdem lese ich wirklich jedes Wort und überfliege einen Satz nicht nur, um mir dann die Bedeutung im Kopf zusammenzupuzzeln, während ich schon den nächsten lese.
Zurück zu S. Da sie so viel liest, hat sie auch Verständnis, wie ein Buch aufgebaut sein muss, ohne dass sie selbst schreibt. Sie ist sehr ordentlich und mag Struktur. Ich vernachlässige das oft, wenn ich schreibe, denn ich habe nicht immer eine Outline parat und da kann es schonmal passieren, dass Dinge einfach nicht klar sind. Da hilft sie mir. Zum Beispiel dachte ich, Lizzys innerer Konflikt mit ihrer Familie (Wie soll sie ihren Eltern sagen, dass sie über Nacht ein Vampir wurde? Auch wenn sie gerade erst unsterblich geworden ist, wird ihr schnell klar, dass sie ihre Eltern überleben wird. Das ist ja etwas, was alle Kinder einmal durchmachen müssen, aber ich glaube, nicht viele machen sich im Alter von 18 darüber Gedanken) würde in einem Monolog abgehandelt sein. S. meinte dazu: „Krass, wie gefühlskalt Lizzy ist! Sie muss ihre Eltern ja ziemlich hassen.“ Da bin ich fast in Ohnmacht gefallen, weil das war auf keinen Fall meine Intention, dass der Leser Lizzy als gefühlskalt wahrnimmt. S. Ist da immer eine große Hilfe, vor allem ist sie auch sehr ehrlich und manchmal knallhart. Wenn ich nicht weiter weiß, reicht es oft, wenn ich mich kurz mit ihr unterhalte und dann weiß ich wieder weiter. Leider sehen wir uns viel zu selten!

Wo schreibst du am liebsten?
Auch wenn das Klischeehaft klingt, bei Starbucks und neuerdings auch gerne bei Subway. Ich brauche einen Snack, ein gutes Getränk und ein wenig Rauschen um mich herum, wenn ich schreibe. Daheim würde ich nicht viel zu Papier bringen, ehe ich die Simpsons anschalte.

Was ist deine Lieblingsjahreszeit?
Ich kann eigentlich jeder Jahreszeit etwas Positives abgewinnen, außer dem Sommer. Ich hasse Hitze und Sonne. Mein Körper ist einfach nicht dafür gemacht, glaube ich. Ich kann trinken so viel ich will und trotzdem spielt mein Kreislauf verrückt. Leider kann man ja nie genau sagen, wann und wie lange die Hitzewille kommt. Letztes Jahr kam sie erst Mitte August und dieses Jahr begann es schon im Juni und dauerte bis Anfang September. Und dann gibt es die Leute, die sagen, auf dem Land sei es besser. Ich merke keine Veränderung, egal, wo ich gerade bin, ich würde am liebsten den ganzen Tag im Keller herumhängen. Am schlimmsten sind aber noch die Menschen, die das ganze Jahr in Strichjacke herumlaufen und bei 35° meinen, „Jetzt wird’s erst richtig angenehm“ oder die Leute die jubeln „Das Wetter ist so geil!“ Und ich weise sie darauf hin, dass wir nicht am Strand liegen, sondern arbeiten, darauf höre ich dann: „Ja, es ist aber trotzdem super, gehen wir nach der Arbeit in der Donau schwimmen!“ Ich habe das einmal gemacht. Das Wasser war lauwarm. Ich bin dann traurig nach Hause geschlurft und habe eiskalt geduscht. Gerade in der Hitzewille hatte meine arme Lektorin 17 Forever.
Der Frühling ist einfach super, weil es im Winter in Wien leider immer sehr grau wird. Alle tragen schwarze Mäntel, der Schnee ist auch nicht weiß sondern schwarz und der Himmel ist auch immer trüb. Im Frühling wird die Welt dann wieder bunt.
Das mag ich auch am Herbst, wenn die Blätter golden werden. Es ist meistens noch angenehm warm, man kann draußen sein, ohne sofort einen Kollaps zu erleiden und niemand schaut mich dumm an, wenn ich Stiefel zum Minirock trage.
Und der Winter ist sowieso eine tolle Jahreszeit, auch wenn ich dieses Jahr schon angezweifelt habe, ob er überhaupt noch naht. Es ist vor allem unterhaltsam, weil ganz Wien verrückt spielt. Auf dem Land stellen sich die Leute den Wecker etwas früher, um Zeit zum einheizen und Schnee schippen zu haben. In Wien friert man, weil der Vermieter die Heizung nicht aufgedreht hat und natürlich kommt der erste Schnee immer total überraschend, nämlich so überraschend, dass alle Autos eingeschneit sind, niemand mehr weiß, wo die Fahrspur ist, weil die Pfeile am Asphalt auch weiß sind und alle Züge, Ubahnen und Co kommen viel zu spät. Und dann fährt man am Wochenende raus aufs Land, wo der Schneepflug rechtzeitig kommt und alles ist schön und weiß. Das Essen ist nicht zu vergessen, ich liebe den Winter wegen seinem Punsch, seinen Maroni und der ganzen Schokolade.

Ich fand es sehr spannend, mit Daisy ein Interview zu führen, besonders da sie ähnliche Ansichten hat wie ich und auch nicht viel älter ist. Ihr Roman ist auf jeden Fall zu empfehlen und wie ihr dem Interview entnehmen könnt, erscheint schon bald Teil zwei. Seid ihr gespannt?
Viel Spass beim Stöbern in den Links!


Eure Tintenhexe

Tintenhexe auf Instagram

Hallo ihr Lieben

Ich habe in den Sommerferien die App Instagram für mich wiederentdeckt. Seitdem kann ich es nicht lassen, dort fast täglich nach neuen, spannenden Büchern zu stöbern. Auch sonst findet man viele, ausserordentlich tolle Bilder dort. Ich fühle mich bei Instagram zwischen all den Fotos wohler als auf Facebook zwischen all den vielen Facts die niemanden interessieren. Die Hashtags organisieren das ganze auch sehr toll, sodass man gezielt suchen kann.


Die Tatsache, dass auch einige Verlage inzwischen den Wert von Instagram erkannt haben und dort vertreten sind, erfreut mich natürlich besonders und begrüsse ich sehr, denn schliesslich sind zahlreiche potenzielle Leser und Kunden auf Instagram anzutreffen und gleichzeitig ist die App sehr international, sodass man wirklich Leute aus der ganzen Welt mit ähnlichen Interessen antreffen kann.



Ich würde mich freuen, wenn einige von euch vorbeischauen und mir vielleicht auch da folgen. Der Inhalt ist auf jeden Fall nicht derselbe wie hier auf dem Blog und so entdeckt ihr vielleicht noch neue Titel oder erhält auch mal einen Blick hinter die Kulissen. Ich würde mich ebenfalls freuen, dort noch mehr Buchverrückte zu treffen oder vielleicht sogar einige meiner Leser von hier. Das wäre das Grösste für mich. 

Was für viele Blogger ebenfalls spannend sein wird ist, dass sich Blogger dort vernetzen, aber auch dass man Autoren antreffen kann. Vielleicht ergattert man dann auch von denen mal einen privaten Schnappschuss, aber auf jeden Fall kann man sie auf Bildern markieren und so mit ihnen in Kontakt treten. 

Hier zeige ich euch nur einen kurzen Überblick, was euch auf Instagram erwartet. Postet doch eure Links hier oder meldet euch direkt in der App.

Nutzt ihr Instagram? Seid ihr Fans davon oder nervt es euch? Was mögt ihr daran? Was nicht? Teilt mir doch eure Meinung mit!


Eure Tintenhexe

[Frühsommerprinzessin] Kapitel 1

Kaptiel 1


In ihrer unbeschwerten Kindheit hatte sich Thora nie gefragt, ob etwas mit ihr nicht stimmte. Sie war geboren worden in die Familie eines einfachen Landbarons. Dieser hatte gerne und viel gelacht, ebenso wie seine Gattin und so hatten Thora und ihre beiden Schwestern eine unbeschwerte Zeit gehabt. Sorgen kannte im Umkreis des Gutes ihrer Familie niemand. Auch in schweren Zeiten wurde die einfache Bevölkerung aus den Speichern des Barons versorgt. Im Gegenzug dazu lieferten diese gerne ihren Zehnten jedes Jahr an den Baron ab. Thora lernte zu schätzen, dass jeder sie mochte. Mit ihren Schwestern Amira und Regina verband sie das tiefe Band der Geschwisterliebe und das Mädchen war stets überzeugt gewesen, dass nichts und niemand dieses Band zerreissen konnte. Sie spielten stets zu dritt, am liebsten in Feld und Wald und ihre Gouvernante klagte fast jeden Tag verzweifelt der Baronin ihr Leid über die ungebärdigen Mädchen und ihre zerrissenen Kleider und schmutzigen Schuhe. Diese jedoch fand stets auch für diese Probleme ein Lachen und kaufte ihren drei Kindern neue Sachen, wenn die alten nicht mehr tragbar waren. Es scherte sie auch wenig, dass die Leute im Dorf kaum ärmlicher gekleidet waren, als ihre Töchter, denn sie hatte längst aufgegeben, sich darüber zu ärgern, dass ihre Mädchen nicht aussahen wie die Töchter eines Barons. Dies würde sich noch früh genug ändern und bis dahin gönnte sie Thora, Regina und Amira die wilde Freiheit ihrer Kindertage.

Zwei Ereignisse sollten Thoras Leben grundlegend verändern. Ihre älteste Schwester Amira, die stets ihr grosses Vorbild gewesen war und der Regina und sie stets nachgeeifert hatten, starb. Ein schweres Fieber holte sie in einer dunklen und kalten Winternacht zu sich und die beiden zurückbleibenden Schwestern konnten nicht glauben, dass sie nun niemals mehr zusammen im Baumhaus spielen oder im See schwimmen würden. Regina und Thora hatten einander, um sich festzuhalten und zu trösten. Trotzdem fiel eine jede von ihnen in ein tiefes Loch der Trauer und der Verständnislosigkeit. Thora, die zu diesem Zeitpunkt gerade mal zwölf Winter gesehen hatte, wurde verschlossener, als sie zuvor gewesen war, plötzlich trat ein schüchternes Mädchen anstelle des fröhlichen Kindes, das sie zuvor gewesen war. Regina hingegen, die erst neun war, verstand die Welt noch weniger und suchte besonders Schutz bei Thora, die sich stets mühte, die Schwester im Strudel ihrer eigenen Trauer nicht zu vergessen. Manchmal blieben nicht einmal die Nächte für sie alleine, denn Regina litt nun häufig unter Albträumen und kam dann zu Thora ins Bett, wo sie viel Platz für sich beanspruchte und ihrer grossen Schwester so den Schlaf raubte. Diese hörte deswegen allerdings nicht auf, Regina abgöttisch zu lieben. Doch in Nächten, in denen sie alleine war, schlich sie sich aus dem grossen Herrenhaus um mit sich alleine zu sein. Seltsame Veränderungen gingen in ihr vor, die sich das Mädchen nicht erklären konnte. Der Drang, nach draussen in die Natur zu flüchten wurde von Tag zu Tag stärker. Verunsichert gab Thora diesem Verlangen nach, obwohl sie sich seit Amiras Tod in den Mauern des Gutes sicherer fühlte als im Garten, wo sie so viele schöne Stunden zu dritt verbracht hatten.
Diese widerstrebenden Gefühle setzten Thora mehr und mehr zu. Oftmals fand sie sich nachts im Garten wieder, ohne zu wissen, wie sie dahin gelangt war.
Doch eines Nachts war sie wieder im Garten „Aufgewacht“ und sah im Mondschein den alten Apfelbaum, an dem nun reife Früchte schwer die Äste gen Boden zogen. Es gelüstete das Mädchen nach einem dieser Äpfel und so ging sie hinüber. Der Baum lag direkt an dem kleinen Teich, in den früher beim Spielen sowohl Amira und Regina als auch Thora des Öfteren hereingefallen waren. Er war nicht tief und jetzt im Mondschein lag er da wie ein glatter Spiegel. Als sich Thora dann zu den untersten ästen des Apfelbaumes reckte, konnte sie diesen nicht erreichen, obwohl er allerhöchstens in Brusthöhe eines erwachsenen Menschen aus dem Baumstamm spross. Das Mädchen stützte sich am Baumstamm ab und versuchte erneut, den Apfel zu erreichen. Dann sprang und hüpfte sie mehrmals hoch und es gelang ihr tatsächlich, die Frucht zu berühren, doch als sie versuchte, ihre Finger um ihre Beute zu schliessen, glitt sie erfolglos ab und fiel zu Boden. Genervt schüttelte sie sich und rappelte sich wieder auf. Ein erneuter Versuch scheiterte ebenso kläglich. Erneut stützte sich Thora am knorrigen Baumstamm ab, dieses Mal mit beiden Händen. Mehr flüchtig und zufällig als bewusst glitt ihr Blick über die Stelle, an die sie ihre Hände gelegt hatte. Die Rinde fühlte sich seltsam weich an, so als ob ein Tuch um den Baum gewickelt wäre. Aber da war nichts als die nackte Borke und als Thora noch einmal diese Stelle musterte, zuckte sie zurück und vor Schreck fiel sie hinterrücks ins Gras. Dann hielt sie sich erneut die Hände vors Gesicht und gleichzeitig fiel ihr auf, dass ihr Blick viel schärfer war, als zuvor. Sie erkannte kleine Insekten in der Baumkrone, die doch ziemlich weit entfernt war. Nie zuvor hatte sie sich um diese kleinen Wesen gekümmert, weil sie sie nicht sehen konnte. Doch jetzt war alles scharf, wie wenn man Kopfschmerzen hatte und das Licht in den Augen brennt. Doch Thora tat nichts weh ausser dem Rücken, den sie sich bei ihrem Sturz ein wenig gestossen hatte. Dann konzentrierte sie sich auf ihre Hände, die sie direkt vor ihr Gesicht gehoben hatte. Doch da wo sie lange, schlanke Finger erwartet hatte, erblickte das Mädchen Pfoten. Sie glänzten gelb bräunlich im Mondlicht und sahen ähnlich kuschelig aus, wie diejenigen, die Thora gesehen hatte, als sie als kleines Mädchen die Prinzessin von Tamuilan besucht hatte. Diese hatte Stofftiere auf ihrem Bett aufgestellt gehabt und dort hatte Thora zum ersten Mal solche Pfoten entdeckt. Nun berührte sie mit einer Hand die andere oder eben mit einer Pfote die andere. Noch immer konnte sie nicht verstehen, was mit ihr geschehen war. Warum fühlte sie sich nicht seltsam, wo doch ihre Hände so seltsam geworden waren? Als sie die eine Pfote mit der anderen etwas fester drückte, sprangen vorne aus den Kuppen plötzlich wunderschön gerundete Krallen heraus. Thora zuckte zusammen. Mit einem Schrei wich sie zurück, doch es war nicht möglich, vor sich selber zurückzuweichen und so waren die unheimlichen Hände noch immer da, als das Mädchen die zugekniffenen Augen öffnete.
Ungeschickt rappelte sie sich auf und erst jetzt bemerkte sie, dass sie nicht mehr nur auf zwei, sondern auf vier Füssen oder eben zwei Füssen und zwei Händen ging. Verwirrt legte sie die letzten Meter bis zu der spiegelglatten Fläche des Teichs zurück. Der Mond spiegelte sich darin und Thora trat ganz nahe an den Rand, um ihr eigenes Spiegelbild zu erblicken. Was sie sah, bestätigte ihren unheimlichen Verdacht, dass etwas mit ihr nicht in Ordnung war. Das Spiegelbild zeigte nämlich nicht das magere, blonde Mädchen im weissen Nachthemd, sondern die leicht golden schimmernde Gestalt eines Luchses.

Langsam hob sie die linke Hand, die jetzt in einer ihr unbekannten Pfote steckte, und berührte sich an der Stirn. Ihr Spiegelbild tat dasselbe. Dann beugte sie sich vor, um das Wasser mit der Nase zu berühren und das Bild auf der spiegelglatten Oberfläche kam ebenfalls näher und näher. Offensichtlich war das sie, in dieser seltsamen Gestalt. Thora spürte das Bedürfnis, zu weinen. Was war mit ihr geschehen? Würde sie nie wieder in ihren Mädchenkörper zurückfinden? Wo war dieser bloss abgeblieben? Man würde sie mit Sicherheit verstossen, wenn sie als Luchs versuchen würde, ins Haus zu gelangen. Oder ihr schlimmeres antun. Bei diesem Gedanken stöhnte Thora verzweifelt auf, doch es war kein menschliches Geräusch, das schliesslich aus ihrer Kehle drang und so begann sie leise zu weinen, was sich ebenfalls erschreckend anhörte. Unter dem Apfelbaum kauerte sie sich zusammen, so gut dies in ihrem neuen Körper ging und sass dort für Stunden, bis sie an ihrer Umgebung, am heller werdenden Licht des Tages und am Zwitschern der Vögel, bemerkte, dass der Tag heraufzog. Nicht mehr lange, und man würde sie bemerken. Niemand war da, der ihr helfen konnte und bald würde die Dienerschaft in Haus und Hof geschäftig herumwuseln und sie dann schliesslich bald an ihre Eltern ausliefern. Erschöpft lehnte sich das Mädchen im Körper eines Luchses an den Baumstamm und konnte nach einer Weile trotz erster Geräusche, die vom Herrenhaus zu ihr hinausdrangen, nicht verhindern, dass ihre Augen zufielen und sie einschlief.



Thora fand sich wieder in ihrem Bett, ohne Gefühl für Zeit und Raum. Ihre Augenlider waren schwer und hinter ihrer Stirn brannten heftige Kopfschmerzen. Unfähig, sich zu rühren, lauschte sie bloss auf die Geräusche aus ihrer Umgebung. Alles drang nur gedämpft an ihr Ohr und erst langsam, nach und nach, realisierte das Mädchen wieder, was geschehen war. Dann riss es erschrocken die Augen auf, hob die Hände und liess sie schliesslich erleichtert zurück auf die weiche Bettdecke fallen. Sie steckte wieder in ihrem normalen Körper. War das alles vielleicht bloss ein böser Traum gewesen? Erneut hob sie die Lider und blinzelte, als ihr bewusst wurde, dass es heller Tag war und die Sonne mit voller Kraft durchs Fenster hineinschien. 

[Interview] Christa S. Lotz spricht über ihre historischen Romane und das Schreiben

Hallo ihr Lieben

Wieder einmal durfte ich ein Interview mit einer Autorin führen. Christa S. Lotz schreibt historische Romane, die in ihrer Heimat Baden-Würtemberg spielen, was mich besonders interessiert, weil ich da Verwandte habe und immer wieder durch dieses Bundesland fahre. Das Bild zeigt Christa in ihrer Heimat und das Cover eines ihrer Bücher.


Wie wird man von der Sozialpädagogin zu einer Autorin von historischen Romanen?
Es gab immer schon zwei hervorragende Leidenschaften in meinem Leben: Eine ist die für alles Psychologische, die andere ist das Schreiben. Neben  Gedichten und Tagebüchern schrieb ich Märchen, Essays, Kurzgeschichten und Zeitungsartikel.  Mein erster Roman ist weniger aus beruflichem als aus Freizeit- Interessen entstanden. Mein Partner und ich sind viel unterwegs, haben das ganze Land Baden-Württemberg und andere Regionen erkundet-bis hin in die Toskana, nach Spanien und Südfrankreich. Der erste Roman entstand bei einer Wanderung in Bad Urach auf der schwäbischen Alb. Es ist ein biografischer Roman über den Dichter Eduard Mörike, der lieber schreiben als Pfarrer sein wollte. Dieses Buch „Eduard Mörike. Ein Leben auf der Flucht“ habe ich im August 2012 selbst noch einmal als E-Book publiziert.

Lebst du vom Schreiben oder arbeitest du nebenbei noch?
Ich habe nie aufgehört, in meinem Beruf als Betreuerin und Begleiterin psychisch erkrankter Menschen zu arbeiten. Dadurch, dass ich halbtags arbeite, blieb mir immer  genügend Zeit zum Schreiben. Und es gibt mir auch die Freiheit und die Sicherheit, meine Ideen zu verwirklichen, ohne mich zusätzlich um den Brötchenerwerb kümmern zu müssen.

Woher kommen die Ideen für deine Romane?
Die Ideen fliegen mir zu, wenn ich unterwegs bin. Jede Reise, jeder Ausflug war und ist gleichzeitig eine Recherchereise. Diese Einfälle kommen auch beim Lesen historischer Texte, bei Museumsbesuchen und bei der Erkundung von Kirchen, Burgen, Schlössern und mittelalterlichen Städten. Bei dem Psychokrimi, den ich letztes Jahr fertiggestellt habe,
war es eine wahre Begebenheit, ein Mord, der in einem Dorf in der Nähe geschah. Die Figuren des Krimis sind ebenfalls der Realität nachempfunden, einige tragen durchaus Züge von Menschen, mit denen ich gearbeitet habe.

Welche Genres liest du privat? Nutzt du sie zur Inspiration oder helfen sie dir, dein eigenes Projekt für eine Weile zu vergessen?
Privat lese ich am liebsten Krimis und Thriller, aber weniger gern Kommissar-Reihen und Serienkiller als psychologisch fundierte Romane. Der Stil ist mir genauso wichtig wie der Spannungsbogen und die Stimmigkeit von Figuren und Geschichte. Sie helfen mir tatsächlich, meine eigenen Projekte zwischendurch zu vergessen, inspirieren mich aber natürlich auch unbewusst. Dann lese ich gern Romane aus dem 19. Jahrhundert, historische Texte und Sachbücher wie „Westwegs“ von Johannes Schweikle oder Manuel Andracks „Gesammelte Wanderabenteuer“.

Wer darf deine Romanentwürfe als erstes lesen?
Bei den ersten Romanen hatte ich eine Reihe von Testlesern, die mir wertvolle Rückmeldungen gaben. Inzwischen ist es nur noch ein einziger Testleser, der mich schon viele Jahre begleitet, logische und stilistische Fehler aufdeckt und mir auch bei der Erstellung der E-Books hilft.

Wie sieht der Werdegang eines Romans von dir vom ersten Buchstaben bis zum Erscheinungsdatum aus? Wie lange dauert dieser Prozess in etwa?
Nehmen wir mal den letzten, der erschienen ist, „Die Köchin und der Kardinal“. Ich hatte mich mit dem Astronomen Johannes Kepler und seiner Mutter, die als Hexe angeklagt wurde, beschäftigt. Mein damaliger Agent griff das Thema auf, und ich entwickelte aus seinen wenigen einfühlsamen Anregungen den Roman und schrieb ihn im Jahr 2012 zu Ende. Im August des Jahres habe ich ihn abgegeben. Im folgenden April fand das Lektorat statt, am 24. Juni 2013 erschien der Roman. Vom ersten Buchstaben bis zum Erscheinungsdatum vergingen also ca. ein Jahr und vier Monate.

Deine Romane spielen stets in deiner nächsten Umgebung, nur vor sehr langer Zeit. Hast du schon mal mit dem Gedanken gespielt, einen Ausflug zu unternehmen? Zum Beispiel zu den Piraten? Oder nach Indien? Und dort in die Vergangenheit einzutauchen?Drei meiner Romane spielen in einer entfernteren Umgebung: „Die Nonne und die Hure“ ist in Venedig angesiedelt, „Die Hure und der Mönch“ in Florenz. Beide Städte hatte ich schon vorher besucht, kannte also den Duft der Kanäle und der alten Mauern. Das musste ich nur mit dem historischen Ambiente in Verbindung bringen. „Die Pilgerin von Montserrat“ spielt nicht nur in Süddeutschland, sondern auch in Südfrankreich, Spanien,
dem nahen Osten und in Wien. Den nahen Osten habe ich allerdings nicht bereist, das hätte mein Budget bei weitem überstiegen. Zu den modernen Piraten in Somalia oder in Fernost würde ich nicht reisen wollen, auch nicht nach Indien. Es gab da eher mal die Idee, einen Roman in Hamburg und in Argentinien anzusiedeln. Hamburg kenne ich sehr gut, ebenfalls Frankfurt. Nach  Argentinien bin ich schon einmal gereist und dort mehrere Monate bei Verwandten gewesen.

Liest du deine Rezensionen? Wie reagierst du auf negative Kritiken?
Ja, ich lese meine Rezensionen, und positive Kritiken sind natürlich ein Motivationsfaktor ersten Ranges. Negative Kritik tut immer erst mal ein bisschen weh. Aber bei fundierten Kritiken lerne ich eine ganze Menge und verbessere dadurch mein Schreiben. Völlig sinnlos sind für mich Rezensionen wie „Ich gebe nur einen Punkt, weil ich keine Zeit hatte, das Buch zu lesen.“

Wirst du oft von fremden Menschen auf deine Bücher angesprochen?
Bei den ersten Büchern wurde ich ständig von anderen angesprochen, aber mehr von Bekannten als von fremden Menschen. Im Laufe der Zeit habe ich weniger darüber geredet, und desto seltener wurde ich gefragt. Eigentlich habe ich mich in den letzten Jahren nur noch mit anderen Autoren, mit meinem Ex-Agenten und mit Lektoren ausgetauscht.

Arbeitest du mit Buchbloggern zusammen? In welcher Form? Wie siehst du hier die Erfolgschancen für Autoren?
Ich bin niemals selbst an Buchblogger herangetreten, weil ich weiß, wie sehr sie mit Anfragen überschüttet werden. Dagegen habe ich öfter mal gesehen, dass meine Bücher von Buchbloggern besprochen wurden. Und über deine Anfrage habe ich mich besonders gefreut! Bei dem Wörtchen „Erfolgschancen“ kommt es auf die Definition an. Die Chance sehr viele Bücher zu verkaufen, sind erstmal wohl geringer. Aber es ist eine Chance, bekannter zu werden, ein Graswurzelmarketing in Gang zu setzen.

Welche Kanäle nutzt du sonst zur Vermarktung deiner Bücher?
Bisher sind alle Bücher von Verlagen vermarktet worden. Sie lagen auf Stapeln in den Buchhandlungen oder standen im Regal. Es gab auch Sonder-Werbeaktionen wie „Buch des Monats“ bei Karstadt oder einen Weihnachts-Sondertisch. Da könnte ich natürlich nicht mithalten. Zusätzlich habe ich die Bücher in meinem Blog, bei Twitter und Facebook beworben, aber nicht direkt, sondern eher, indem ich eine Art „Marke“ aufgebaut habe. Meine E-Books bewerbe ich ebenfalls in meinen Blogs und durch Rabattaktionen. Wichtig ist es, dass sie öfter mal in den Topp 100 auftauchen, um überhaupt gesehen zu werden. Die Verschenkaktion meines ersten E-Books brachte zwar Tausende von Downloads in nur zwei Tagen, trug aber kaum etwas zu den Verkäufen bei.

Was erscheint als Nächstes von dir?
Im Juni erscheint mein E-Book „Teufelswerk“, das im Jahr 2011 als Printausgabe eines kleinen Verlages veröffentlicht wurde, unter dem Titel „Das Vermächtnis des Bischofs“. Davon wird es auch keine weitere Printausgabe geben, weil ich nur die E-Bookrechte habe. Was dann als Nächstes erscheint, ist noch offen. Wahrscheinlich ist es der Schwarzwälder Psychokrimi „Martinsmorde“ bei einem Verlag oder als selbst publiziertes E-Book. Im letzteren Fall bräuchte ich dann noch eine Designerin für das Cover, einen guten Lektor und ein Korrektorat. Dabei sehe ich optimistisch in die Zukunft, denn Autoren sind der Kern des Buchbetriebes und werden es bleiben, egal, wohin sich das Ganze noch entwickeln wird.

Ich habe mich sehr über das Interview mit Christa gefreut und freue mich auch schon, euch ihre Werke vorzustellen. Wer sich ebenfalls für das Genre der historischen Romane, aber auch für die regionalen Gebiete von Baden Württemberg interessiert, soll doch unbedingt mal bei Christa vorbeischauen!

Hier kommt ihr zu Christas Autorenseite beim Aufbau-Verlag.


Eure Tintenhexe

[Mein Buch] Eine neue Serie!!!

Hallo meine Lieben

Dieser Blog hier wächst und gedeiht, längst gibt es ihn schon länger als ein halbes Jahr und ich durfte auch schon zahlreiche Leserinnen und Leser willkommen heissen. An dieser Stelle herzlichen Dank für eure tolle Unterstützung, eure Kommentare und Anregungen.

Nun ist es mal wieder Zeit für eine neue Serie, finde ich. Nachdem ich sowohl zahlreiche Rezensionen veröffentlicht habe, als auch Interviews mit Autoren und vieles mehr rund ums Thema Lesen und Schreiben, lasse ich nun einmal die Autoren selber über ihre Bücher sprechen. Dazu gibt es neu die Rubrik "Mein Buch", bei der Autorinnen und Autoren über ein Werk, das sie veröffentlicht haben, sprechen. Dies soll kurz und knackig gehalten werden und das Buch soll im Zentrum stehen, sodass man sich bei "Mein Buch" einen Mini-Lesetipp abholen kann.

Wie findet ihr die Idee? Welcher Autor oder welche Autorin soll eurer Meinung nach unbedingt über eines ihrer Werke sprechen?

Schon in wenigen Tagen wird es soweit sein und eine junge Autorin wird ihren Erstling unter "Mein Buch" vorstellen.

Seid gespannt!!!

Eure Tintenhexe

[Interview] Doreen Gehrke über ihren eigenen Verlag



Immer wieder trete ich aus diversen Gründen mit Autoren und Autorinnen in Kontakt. Doreen Gehrke kenne ich von ihrer Reihe "Don't let it get to you". Hier könnt ihr die Rezension zum ersten Band lesen. Wenige Wochen später schon durfte ich Band zwei ebenfalls lesen. Hier ist die Rezension dazu. Während dieser ganzen Zeit habe ich öfters mit Doreen Gehrke gemailt und durfte ihr einige interessante Fragen stellen. Für mich, die ich selber schreibe und von einer Veröffentlichung träume, waren die Antworten sehr lehrreich und interessant. Ich hoffe, euch ergeht es ebenso! Findet ihr übrigens dieses Portrait der Autorin nicht ebenfalls sehr gelungen?


Wie sind Sie dazu gekommen, zu schreiben? In welchem Alter haben Sie damit angefangen?
Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wann ich angefangen habe zu schreiben. Darum bin ich mir auch ziemlich sicher, dass es schon sehr lange her sein muss. Ich erinnere mich aber noch, Geschriebenes, ob nun Gedichte oder lose Gedanken, immer vor meiner Familie versteckt zu haben. Wahrscheinlich befürchtete ich, ausgelacht zu werden, oder wenn nicht das, dann aber nach dem Warum meines Schreibens gefragt zu werden. Und ich glaube, davor hatte ich noch mehr Angst, weil ich keine Antwort darauf hatte. Bis heute nicht. Ich schreibe ganz einfach des Schreibens wegen. Im letzten Schuljahr war ich im Rahmen einer Projektgruppe „Kreatives Schreiben“ dann erstmals bereit, eigens verfasste Gedichte und Kurzgeschichten vorzustellen. Aber selbst in dieser kleinen Gruppe von vielleicht nur einer Handvoll Schülern, gab es dann und wann mal ein Lachen oder ein „Häh, was soll denn der Quatsch bedeuten?“ zu hören. Das war natürlich nicht sehr motivierend, und das Schreiben wurde dann ein wieder gut behütetes Geheimnis.

Wann kam Ihnen zum ersten Mal der Gedanke, ein Buch tatsächlich zu veröffentlichen? 
Während des Studiums der Geologie und Paläontologie kam ich nie wirklich zum Schreiben und dachte schon, dass das Schreiben ein Hobby oder Zeitvertreib aus Langeweile eines typischen Außenseiters zur Schulzeit gewesen war. Aber dann, nach dem Studium und mit Eintritt ins Berufsleben, kam mir ziemlich schnell der Gedanke, dass es bis zum Rentenalter doch noch etwas anderes als nur Arbeit geben muss. Ich nahm das Schreiben wieder auf. Diesen Gedanken dann weiter gesponnen, fragte ich mich dann auch ziemlich schnell, warum nicht mal etwas veröffentlichen, auch gleich mit Blick auf eine berufliche Veränderung.

Wie lange arbeiten Sie im Durchschnitt an Ihren Büchern? 
Bens Geschichte habe ich geschrieben, bevor ich meinen Verlag gründete. Das war im Jahr 2012 mit einigen Unterbrechungen, aber zusammen etwa ein Jahr. Mit Gründung des Verlages habe ich mit dem dritten Band bzw. mit dem Beginn über Janes Geschichte zu erzählen, um ein paar Monate pausieren müssen. Im Grunde habe ich als Selbstverlegerin eine Doppelbelastung, das Schreiben und die Verlagsarbeit. Am Anfang war es schwierig für mich, etwas wie eine Balance zwischen beiden zu finden. Ehrlich gesagt habe ich solch eine Balance bis heute nicht gefunden und glaube mittlerweile auch nicht mehr, dass es sie gibt. Der dritte Band der Don`t let it get to you!-Reihe ist das erste Buch, das ich als Selbstverlegerin geschrieben habe und nach meiner Erfahrung kann ich für mich sagen, dass ich für die Fertigstellung eines Buches jetzt doppelt so viel Zeit brauche, als wenn ich nur Schriftstellerin wäre. Also, bis es tatsächlich veröffentlicht ist, vergeht schon ein ganzes Jahr. Und neben der Verlagsarbeit kommen ja auch noch die ganzen anderen Projekte hinzu, die man mal so beginnt, weil es einem einfach in den Fingern juckt und man seine Gedanken zu Papier bringen muss, weil man sonst nicht in den Schlaf findet. Da wird die Doppelbelastung schnell zu einer dreifachen usw..

Sind die Bücher über Ben die ersten, die Sie geschrieben haben, oder liegen bei Ihnen noch andere Manuskripte in der Schublade?
Ja, ich habe tatsächlich so einige Manuskripte in der Schublade liegen. Einige davon sind sogar älter als die Geschichte über Ben. Da aber das Schreiben und das Veröffentlichen zwei Paar verschiedene Schuhe sind, würde ich sagen, dass der erste und zweite Band der Don`t let it get to you!-Reihe meine ersten Bücher sind.

Was hat Sie dazu inspiriert, über die Probleme Jugendlicher zu schreiben? 
Man schreibt doch immer über das, was einen interessiert und/oder bewegt, einen zum Nachdenken anregt, einen einfach nicht mehr loslässt und in einem immer wieder arbeitet. Mir geht es jedenfalls so, und ich habe festgestellt, zumindest erwische ich mich jedes Mal dabei, dass ich während des Schreibens eines Manuskriptes bereits Ideen für ein anderes Manuskript bekomme. Automatisch. Im Grunde inspiriert man sich dann selbst. Als ich angefangen habe, über Ben zu schreiben, kam mir sehr schnell die Idee, über eine Jane und über einen Charly zu schreiben, und dass deshalb die Reihe aus sechs Bänden bestehen muss. Ich weiß noch, als ich mein erstes Interview bei einer Zeitung hatte und beim Erzählen über meine sechsbändige Reihe ganz erstaunt angeschaut wurde. Im Oktober veröffentliche ich den dritten Band und beim Schreiben dieses Bandes, habe ich mich oft gefragt, warum denn nach sechs Büchern Schluss sein soll. Warum? Weil ich wieder Ideen für weitere Bände bekam. Soziale Themen sind nicht ausreizbar. Das eigene Umfeld, die Medien, die Gemeinschaft inspiriert einen doch immer.

Wie recherchieren Sie um authentisch über eine Castingshow berichten zu können? 
Für die Musik-Show „Entertain Us“ aus dem Buch habe ich die Spielregeln von verschiedenen Musik-Shows vermischt. Mich streng an dem Ablauf einer bestimmten Show zu halten, wollte ich nicht und außerdem ändern sich deren Spielregeln ja auch ständig. Was Ben angeht, so habe ich da niemals an einen bestimmten Kandidaten gedacht, der tatsächlich mal an einer Show teilgenommen hat. Ich habe mich da nie beeinflussen lassen und um ehrlich zu sein, verfolge ich schon seit Jahren keine Musik-Shows mehr. Es sind einfach zu viele Informationen, die einen ermüden und nur noch zum Wegschalten animieren. Hinzu kommen Sendungen, die dann auch noch über die Musik-Shows berichten. Man kann sich ja gar nicht dagegen wehren. Ich würde auch sagen, dass ich eher wenig über „Entertain Us“ geschrieben habe und mehr über Ben, seine Gedanken und Sichtweisen und natürlich seine Familie, weil mir das wichtiger war. Insbesondere im zweiten Band rückt die Show immer weiter in den Hintergrund und Bens Dasein sowie seine Familienprobleme werden hauptsächlich diskutiert. Authentisch über eine Musik-Show zu berichten, war also nie mein Anliegen, daher habe ich auch nicht wirklich recherchiert.

Gibt es im realen Leben Vorbilder für Ihre Protagonisten? 
Nein oder niemanden, den ich persönlich kenne. Mal schnappe ich Kommentare von Familie und Freunde auf, über die ich dann längere Zeit lang nachdenke und woraus sich etwas zum Schreiben ergibt. Aber über Personen, mit denen ich verwandt oder befreundet bin, werde ich niemals schreiben. Das gilt auch für mich. Neben der Überarbeitung des dritten Bandes der Don`t let it get to you!-Reihe schreibe ich im Moment über eine Person und über deren Familienleben, die wiederum fiktiv, aber sicherlich tatsächlich existiert. Ich schreibe Gegenwartsliteratur. Ich schreibe über soziale Belange/Verhältnisse, die es in der heutigen Zeit tatsächlich gibt, aber die Personen dazu sind ausgedacht.

Warum haben Sie sich entschieden, Selbstverlegerin zu werden? 
Als die Geschichte über Ben fertig war, habe ich im Internet nach Verlagen gesucht. Bei meiner Recherche stieß ich auch auf Selbstverleger, Indie-Autoren bzw. die Möglichkeit, sein Buch ohne Verlag zu veröffentlichen. Das fand ich interessant, habe aber trotzdem erst mal zehn Verlage mit einem Exposé angeschrieben. Bis heute haben sich noch nicht alle Verlage gemeldet. Ansonsten gab es Absagen, das Thema passe nicht ins Programm, Standardfloskeln. Die erste Absage erhielt ich nach etwa fünf Monaten. Da war ich bereits Verlegerin. Es ging mir also um die Zeit. Man muss im Schnitt ein halbes Jahr auf eine Antwort warten, wenn überhaupt eine Reaktion kommt. Das war mir zu lange. Lieber nehme ich es selbst in die Hand, weiß genau, wann, was passiert, mittlerweile auch, was alles dazugehört und zu machen ist, um ein Buch zu veröffentlichen. Sicher habe ich auch Fehler gemacht und werde auch weiter Fehler machen, aber warten, bis mal jemand was macht, überlasse ich anderen.

Wie kamen Sie dazu, einen eigenen Verlag zu gründen? 
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Indie-Autoren ihre Bücher veröffentlichen können, aber ohne eigenen Verlag zeigen sich die Grenzen dann doch recht schnell. Unabhängigkeit, Eigenständigkeit bzw. so wenig wie möglich aus eigener Hand geben zu müssen, Flexibilität. Darauf kam es mir an. Mit einem eigenen Gewerbe sind diese Eigenschaften gegeben.

Wo sehen Sie sich und Ihren Verlag in 5 Jahren? 
Der Doreen Gehrke Verlag wird in fünf Jahren neben der sechsbändigen Don`t let it get to you!-Reihe, ein, zwei Romanen im Bereich „Erwachsenen-Literatur“, hoffentlich auch Bücher anderer Schriftsteller verlegt haben. Es sollte sich dann nicht mehr um einen Selbstverlag handeln.

Wie sieht der Weg von Ihren Büchern aus dem Büro bis ins Bücherregal aus? 
Meine Manuskripte werden extern lektoriert, d.h. ein freiberuflich arbeitender Lektor bzw. eine Lektorin erhält das Manuskript, um es hinsichtlich Rechtschreibung, Interpunktion, Grammatik zu überarbeiten und bezüglich Stilistik mit Anmerkungen/Tipps zu versehen. Danach lese und überarbeite ich es im Wechsel einige Male, bis es dann druckfertig zur Druckerei geht. Parallel habe ich den Aufriss, d.h. die Datei, die das Cover des Buches, den Buchrücken und die Buchrückseite mit Klappentext und Rückseitenbild darstellt, fertig und schicke diese auch an die Druckerei. Vorher mussten noch Cover-Illustration und Illustration für die Buchrückseite mit dem Illustrator bzw. der Illustratorin abgestimmt werden. Die Druckerei liefert die gedruckte Auflage dann zum Auslieferer, der die Bücher lagert und auf Bestellung an die Barsortimente und/oder direkt zu den Buchhandlungen ausliefert.

Was sagen Sie den Leuten, die Vorurteile gegenüber Selbstverlegern haben? 
Mittlerweile begegne ich Vorurteilen, wie z.B. „Ach, Sie veröffentlichen im Selbstverlag. Na, das kann ja nicht gut sein.“, mit Humor. Was bleibt mir auch anderes übrig? Hier in Mecklenburg-Vorpommern war ich bei so einigen Buchhandlungen, habe mir viele Bemerkungen, Ausreden anhören müssen und bin selten wirklichem Interesse begegnet. Vielleicht sollte ich mal ein Buch darüber schreiben?! Gute oder schlechte Bücher gibt es nicht. Es gibt verschiedene Geschmäcker. Auch ein Buch verlegt im Selbstverlag kann den Geschmack eines Lesers treffen, oder eben nicht. Aber schlecht ist ein Buch nicht.

Wie gehen Sie mit negativen Rezensionen um? 
Hier geht es um das „geschriebene Wort“, d.h. die Rezension bleibt für eine längere Zeit stehen und kann meinem Verlag schon schaden. Es geht ganz klar um die Wortwahl des Bloggers, also wird man diffamiert oder nicht. Das hat dann nichts mehr mit Meinungsfreiheit zu tun und auch Selbstverleger können sich einen Anwalt nehmen. Aber auch was die inhaltliche Widergabe der Rezension anbelangt. Ich habe mich da tatsächlich schon mal gefragt, ob der Blogger überhaupt mein Buch gelesen hat oder nicht. Bislang habe ich mich noch nicht direkt an einen Blogger gewandt, der eine negative Rezension verfasst hat, aber auf meiner Website gibt es dazu ein paar Zeilen unter dem Titel „Selbstverleger – Alles Scheiße“.

Wie stehen Sie als Autorin Buchbloggern gegenüber? Was denken Sie über sie?
Ich stehe Buchbloggern uneingeschränkt positiv gegenüber, da sie für den Schriftsteller wie auch für den Leser hilfreich sind. Der Schriftsteller kann sein Buch bewerben und der Leser erfährt, welche Bücher neu auf dem Markt sind oder welche Bücher es in bestimmten Genres außerdem gibt, die er vielleicht noch nicht gelesen hat. Grundsätzlich kann die „Buchbloggerei“ nur positiv gesehen werden, wenn es nicht den einen oder anderen Blogger geben würde, der scheinbar seine Bodenhaftung verloren und vergessen hat, welche Macht das „geschriebene Wort“ hat, schon immer zu Lebzeiten hatte und was seine Rezension zu Folge haben kann.

Ich danke Doreen Gehrke an dieser Stelle herzlich für die Zeit, die sie in meine Fragen investiert hat. Es war sehr interessant für mich und ich hoffe für all meine Leser ebenfalls!

Hier könnt ihr den Doreen Gehrke Verlag besuchen und euch selber ein Bild von der Arbeit der Autorin und Verlegerin machen.
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Eure Tintenhexe